Sozialisierungsphase: 8. bis 12. Lebenswoche

Zwischen der 9. und 10. Woche tritt der der neue Halter in das Leben des Welpen. Der Tag, an dem ein Welpe von seinen Wurfgeschwistern und von seiner Mutter getrennt wird, bedeutet für das Hundebaby einen regelrechten Schock. Alles, was ihm vertraut war, ist von einem Moment auf den anderen verschwunden; alles ist neu und ungewohnt. Nun kommen sehr ereignisreiche Tage für den Welpen und auch für den neuen Besitzer. Sie als neue Bezugsperson des Welpen tragen eine grosse moralische Verantwortung, denn das Bindungsbedürfnis des Welpen an "seinen" Menschen ist so groß. Schön wäre es, wenn Sie sich für die Eingewöh-nungsphase Ihres neuen Familienmitglieds Urlaub nehmen könnten, damit er sich an seine neue Familie und die neue Umgebung bestmöglichst gewöhnen kann. Bis zum Alter von 15 Wochen hat der Welpe noch eine sehr starke Ortsbindung. Jeder Ortswechsel bedeutet Stress für ihn. Die veränderte Lebenssituation führt beim Welpen zu einer tiefen Verunsicherung und die wichtigste Aufgabe des neuen Besitzers ist, ihm wieder Vertrauen zu vermitteln und eine gute Bindung aufzu-bauen. Der Zwerg braucht Wärme, Liebe und Geborgenheit, um sich zu einem nervenstarken und selbstbewussten Vierbeiner zu entwickeln. Und er braucht Ihre Zeit. Viel Zeit. Zeit, in dem sie sich aktiv mit ihm beschäftigen. Tag für Tag.

Nachdem der Welpe sich ein paar Tage bei seiner neuen Familie einleben konnte, sollten Sie unbedingt eine gute Welpenprägungsgruppe besuchen. Doch woran erkennt man eine gute Welpenschule? Je Trainer sollten max. 7 Welpen in der Gruppe sein, die vom Entwicklungsstand alle zueinander passen. Achten Sie darauf, dass die Welpen nicht einfach nur unkontrolliert miteinander spielen, mobbende Hunde sollten zur Seite genommen werden. Gut ist es, wenn ein Parcours aufge-baut wird, auf dem jeder mit Anleitung seinen Hund mit diesen Dingen bekannt machen kann und es sollten auch Übungen zusammen mit dem Hundebesitzer gemacht werden, wie z.B. Bindungsspiele, Abrufen aus dem Spiel usw. Zwischen-durch sollte es dann immer wieder 15-20 Min. freies Spiel der Welpen unterei-nander geben, das von den Trainern beobachtet und erklärt wird. In den Pausen sollten Fragen der Hundehalter beantwortet werden.

Aber: lieber keine Erfahrungen als schlechte Erfahrungen. Alles, was positiv geprägt werden kann, kann auch genau so nach hinten losgehen. Sammelt ein Welpe in einer schlecht geführten Welpenspielgruppe negative Erfahrungen, prägen auch sie ihn für sein ganzes Leben. Deshalb sollten Sie sich schon vor dem Einzug des Welpen verschiedene Welpenschulen anschauen. Meiden Sie solche Gruppen, wo die Hundehalter nur schwatzend herumstehen und niemand auf die spielenden Welpen achtet.

Das frischgebackene Familienmitglied erfährt schon jetzt die erste Erziehung und muss die Umgangsformen im Menschenrudel lernen. Der Schwerpunkt dieses Entwicklungsstadiums liegt auf dem spielerischen Lernen. Es werden jedoch auch schon erste Tabus gesetzt, wobei der Welpe aber nicht durch unsachgemässe Behandlung eingeschüchtert werden darf. Oft steht das Hundekind in seinem neuen Familienrudel fortwährend im Zentrum der Aufmerksamkeit. Es gibt Futter und Zuwendung im Überfluss. Der neue Familiengenosse bekommt alles, was er will, wann er will. Und er darf auch oft machen, was er will, denn für die Erziehung ist er angeblich noch viel zu klein. Doch er lernt schon jetzt - nur nicht das, was wir gerne hätten. Und die bevorzugte Behandlung vermittelt ihm einen falschen Ein-druck von seiner eigenen Wichtigkeit und seinem eigenen Rang. Welpen lernen sehr schnell, wie sie ihre Besitzer "um die Pfote wickeln" können. Ein herzerwei-chender Blick, ein piepsender Laut - und schon schmelzen Herrchen und Frauchen dahin. Natürlich fällt es schwer, dem tapsigen Hundenachwuchs einen Wunsch abzuschlagen. Denn wer denkt beim Anblick eines fröhlich daher tapsenden Hundezwerges schon an Verbote, Regeln und Erziehung?

Und dennoch sollte man es tun: Die Erziehung des Airedales beginnt sofort an dem Tag, an dem er in unser Leben tritt und keinen Tag später. Welpenerziehung be-steht überwiegend aus Gewähren und Versagen und einem wohlüberlegten Hin-lenken auf das Erwünschte.

Der Zwerg braucht keine "Schonfrist" und muss auch nicht in Watte gepackt werden. Es versteht sich aber auch ganz von selbst, dass die Erziehung des Kleinen seinem zarten Alter angepasst werden muss und keinesfalls überzogene Strenge und militärischen Drill beinhalten sollte. Dennoch ist es von Vorteil, dem neuen Familienmitglied bestimmte Grenzen aufzuweisen und mit Konsequenz auf ihrer Einhaltung zu bestehen. Autorität nach Elternart ist gefragt. Nachlässigkeit und Toleranz machen sich nicht bezahlt. Besser erst die Zügel kürzer nehmen, dann kann er später am langen Zügel ein schönes Leben führen. Denn lässt man dem Schelm zu viel durchgehen, kann man nicht erwarten, dass er sich als ausge-wachsener Hund tadellos benimmt und auf das kleinste Kommando hört. So lachen die meisten Leute zwar, wenn sie von einem niedlichen Airedale -Teddy verfolgt werden, bei einem ausgewachsenen Hund sieht das dann allerdings ganz anders aus. Der Hund muss von klein auf lernen, dass er nicht einfach hinter allem her-laufen darf. Und wenn der Zwerg nach allem schnappt, was ihm zwischen die Zähne kommt, dann lenken sie seine Beissspiele einfach um auf etwas, wohin er beißen darf: also z.B. von der Hose zum Knotenseil. Auch einmal erlernte Ange-wohnheiten und Privilegien, wie beispielsweise das Nickerchen in Frauchens Bett oder das kleine Leckerchen bei Tisch sind einem Hund nur schwer wieder abzu-gewöhnen, wenn er erst einmal in den Genuss eines "Herrschaftlichen Lebensstils" gekommen ist. Die Erfahrungen, die ein Airedale in den ersten Lebenswochen macht, prägen seine gesamte Entwicklung und beeinflussen zukünftige Ver-haltensweisen.

Hunde lieben Menschen mit Souveränität, mentaler Stärke und Führungsanspruch. Sie wollen Schutz und Geborgenheit. Von uns Menschen erwarten sie einen klaren Handlungsrahmen, feste Grenzen und eine eindeutige Kommunikation. Hunde brauchen die Einordnung in klare Strukturen und Vorgaben, um sich orientieren zu können. Auf diesem festen Fundament können sie sich dann flexibel und angstfrei entwickeln. Wenn der Welpe seine Grenzen und Möglichkeiten auslotet, tun sich leider viele Hundehalter schwer, ihn in seine Schranken zu weisen und sind zu nachgiebig. Aber so werden von Anfang an wichtige Chancen vertan, sich die Achtung und Anerkennung des neuen Familienmitglieds zu erarbeiten. Und während so mancher Hundehalter noch den "roten Knopf" bei seinem Vierbeiner sucht, hat der Welpe ihn bei seinem Menschen schon längst gefunden. Hunde lernen äußerst schnell, wie sie Menschen in ihrem Sinne lenken können.

Auch was das Lernen angeht, stellen Sie schon in diesem frühen Alter die Weichen für die Zukunft: der Welpe erfährt schon jetzt, ob Lernen Spaß macht, oder nicht. Doch wie bringt man einen Hund dazu, dass ihm Lernen Spaß macht? Ganz einfach: indem man die gestellten Aufgaben hund- und altersgerecht vermittelt und ihn für erwünschtes Verhalten belohnt. Dazu wendet man die positive Verstärkung an. Nach den Erkenntnissen über Gehirnfunktion und Lernverhalten ist die positive Verstärkung ein Grundprinzip der Gehirnentwicklung und des Lernens. Ein Ver-halten tritt öfter auf, wenn es sich lohnt. Man kann daher zufälliges Verhalten, das erwünscht ist, belohnen und so verstärken. Geeignete Belohnungen wecken das Interesse des Welpen und motivieren ihn. So gewinnt er Freude daran, das zu tun, was Sie möchten.

Lerneffekte sind nun besonders nachhaltig. Sie ersparen sich später viel Arbeit und Ärger, wenn Sie schon beim ersten Mal wenn der Knirps etwas tut, ihm sehr deutlich zeigen, ob dieses Verhalten erwünscht ist oder nicht. Damit der Welpe Ihre Reaktion überhaupt mit seinem Verhalten verknüpfen kann, muss Ihre Reaktion sofort erfolgen, also innerhalb max. 3 Sekunden. Reagieren Sie später, kann der Hund keinen Zusammenhang mit seinem Verhalten mehr herstellen und versteht Ihre Reaktion nicht. Je klarer und sicherer (nicht heftiger und lautstärker) die erste Reaktion ist, desto besser akzeptiert der Hund sie. Stimmlich sollten Sie schlagartig von zuckersüss auf tief grollend umschalten können. Tut er etwas, das Ihnen gefällt, loben Sie ihn sofort enthusiastisch, streicheln Sie ihn, geben Sie ihm ein Leckerchen oder spielen Sie kurz mit ihm. Zeigen Sie ihm Ihre Zustimmung deutlich. Der erste Versuch eines Hundes ist immer ein kritischer Moment. Als ob er dem Verhalten einen Stempel aufdrücken würde. Das gilt natürlich auch und gerade für unerwünschtes Verhalten. Ersticken Sie es bereits im Keim und inter-venieren Sie sofort! Hat sich ein unerwünschtes Verhalten erst einmal einge-schlichen, machen spätere Ermahnungen viel weniger Eindruck, als wenn man sofort eingeschritten wäre. Die Korrektur wird später immer schwieriger.

Aber seien Sie vorsichtig dabei. Disziplinieren Sie Ihr Hundebaby nur ganz moderat: niemals grobe Gewalt! Schütteln Sie den Welpen nie! Denn das Nackenschütteln würde er als totschütteln verstehen. Und das wollten Sie doch sicher nicht, oder? Stellen Sie sich nur einmal vor, wie unglaublich furchterregend es für einen kleinen Hund sein muss, von einem Riesen, der um ein Vielfaches grösser ist als er selbst, bedroht und gepackt zu werden. Er wird ängstlich, unsicher, verliert vollkommen den Boden unter den Füßen. Und damit fangen die Probleme an: Der verängstigte Welpe knurrt, wenn jemand nach ihm greift, weil er fürchtet, wieder einmal be-straft zu werden. Der Mensch ereifert sich, meint, da müsse man doch klarstellen, wer das Sagen habe, müsse den Welpen härter anfassen. Und schon ist man auf einem Weg, der zu immer mehr Problemen führt und zu einem Elendsdasein für den Hund. Dann beginnt der Besitzer darüber zu klagen, dass der Hund nicht ge-horcht, dass er nicht kommt, wenn er gerufen wird usw.  Der Welpe hat gelernt, seinem Besitzer auszuweichen und er sendet eine Menge beschwichtigender Signale aus, um zu versuchen, Herrchen oder Frauchen wieder milde zu stimmen. Nützt auch das nichts, kann es passieren, dass der Hund aufhört, die beschwich-tigenden Signale einzusetzen. Der Hund lebt fortan in einer Welt, die keine andere Sprache kennt, als die der Gewalt. Seine eigene Sprache kann er nicht anwenden, denn niemand richtet sich danach. Er wird sprachlos. Es gibt unglaublich viele Hunde, die vollkommen passiv sind und sich nicht trauen, irgendetwas auszu-probieren und neugierig zu sein. Das sind dann oft die Hunde, die "brav" genannt werden. Sie sind nicht brav – sie haben resigniert!

Korrektur: Wenn der Schlingel etwas tut, was er nicht darf, versuchen Sie immer erst einmal, den Zwerg von unerwünschtem Verhalten hin zu erwünschtem Ver-halten zu motivieren. Wenn Sie ihn dann für das richtige Verhalten bestätigen, lernt er sehr schnell, was gut für ihn ist.  Oder reagieren Sie so, wie es seine Hunde-eltern auch tun würden, ruhig und unmittelbar. Schubsen Sie den Frechdachs ohne Grobheit einfach zur Seite weg, drängen Sie ihn zurück, schneiden Sie seinen Weg ab oder nehmen Sie ihn hoch und entfernen ihn vom Tatort. Dazu als Verbots-verstärker ein "Nein" draufgeben - das genügt. Wenn es sein muss, wiederholen Sie das Ganze immer wieder. Konsequent. Aber kein Zorn, kein Schimpfen, keine Grobheiten.  Seien Sie nicht nachtragend! Und was NIEMALS geschehen darf: reagieren Sie Ihren Unmut und Ärger nicht am Hund ab!

Gemeinsame Spiele sind nun das A und O in der Erziehung des Welpen. Dabei dient das Spiel nicht nur dem Vergnügen und der Beschäftigung des Hundes. Gemein-sames Spiel sorgt für das seelische Gleichgewicht des Welpen und vermittelt ihm Vertrautheit und Sicherheit. Es fördert nicht nur die soziale Bindung zwischen Mensch und Hund sondern hat auch einen wesentlichen Anteil an der Erziehung des Welpen. Spielen festigt unsere Autorität und fördert die Bereitschaft des Hundes, gehorsam zu sein. Ihr Welpe sollte denken: "Ein tolles Spiel - das möchte ich lernen!" Spielen ist Lernen fürs Leben. Indem wir uns immer wieder neue Spiele einfallen lassen bringen wir Abwechslung in das Leben unseres Welpen und ver-deutlichen ihm gleichzeitig unsere mentale Überlegenheit. Ausgiebiges Spielen sorgt für die Auslastung unseres wilden Welpen. Spielen fördert die körperliche Entwicklung des Welpen, seine Kreativität sowie die Konzentrations- und Lern-fähigkeit seines Gehirns. Beschäftigung gibt Selbstvertrauen. Und später sorgt das anschließende Spiel für Auflockerung nach anstrengenden Übungen.

In der ersten Woche in seinem neuen Zuhause lassen Sie Ihren Wonneproppen sich erst einmal in Ruhe eingewöhnen. Ein kurzer Ausflug in den Garten reicht völlig aus. Jeder kleinste Spaziergang ist ein wahres Feuerwerk vielfältiger Reize, die ein junger Hund erst einmal verarbeiten muss. Machen Sie in der ersten Zeit keine ausgedehnten Spaziergänge mit ihrem Jung-AT. Die meisten Welpen weigern sich noch, das ihnen bekannte Terrain zu verlassen - das ist völlig normal. Kein Wolfs-welpe würde in dem Alter seine sichere Höhle so weit verlassen - und Ihr Welpe soll das auch noch mit Ersatzeltern tun, die er ja noch gar nicht richtig kennt. Locken Sie den Kleinen mit dem eingeübten "Honolulu", das er bereits vom Züchter kennt, dann wird der Welpe ihnen folgen, so lange er körperlich kann, das gibt ihm sein Instinkt vor. Setzt er sich hin, ist er eigentlich schon überfordert und hunde-müde! Verweilen Sie an interessanten Stellen etwas, setzen Sie sich evtl. auf den Boden und bieten Sie ihrem Zwerg Körperkontakt und Sicherheit. Zeigen Sie Souveränität, bleiben Sie locker, gelassen und vermitteln Sie dem Welpen, dass die Welt spannend und toll ist. Geben Sie ihm Zeit, alle Objekte zu beobachten, die sein Interesse erregen.  „Gefährliche Dinge“, wie Regenschirme, im Wind flat-ternde Tüten oder einen finsteren, engen Gang erkunden Sie mit ihm gemeinsam. Das gibt Selbstbewusstsein und gegenseitiges Vertrauen. Übertreiben Sie dabei aber nicht und zwingen Sie ihn zu nichts. Er soll es möglichst durch seine eigene Neugier schaffen, die nähere Umgebung dort selbst zu erkunden. Reden Sie freundlich mit ihm. Alles kein Problem. Steigern Sie die Belastungen für Ihr Aire-dalekind nur ganz, ganz langsam. Haben Sie Geduld. 

Mit ca. 10-14 Wochen fangen manche Welpen an zu "fremdeln". Beobachten Sie ihren Airedale genau. Belastungssituationen lassen sich am Verhalten erkennen. Schnauze lecken, gähnen, kratzen usw. können Zeichen dafür sein, dass der Hund überfordert ist. Gerade die Ersterlebnisse, die der Welpe jetzt macht, kanalisieren seine weitere Entwicklung. Die Emotionen und Gefühle, die der Welpe dabei em-pfindet, werden bei ähnlichen Situationen immer wieder sein Verhalten steuern. Wichtig ist, dass der Welpe die neuen Erlebnisse positiv einordnen kann. Sollte es doch einmal zu einer Angstreaktion kommen, so sollten Sie sie überspielen oder durch einen Situationswechsel entspannen. Auf keinen Fall sollten Sie den Hund trösten und streicheln während er Angst hat.