Umweltsozialisation: 12. bis 18. Lebenswoche

Airedale Terrier müssen besonders gründlich sozialisiert werden, denn sie reagieren erheblich sensibler und untersuchen vieles, was ihnen interessant erscheint, was von anderen Rassen oft gar nicht registriert wird. Es ist natürlich unmöglich, Ihren Welpen auf alles vorzubereiten, was er in Zukunft sehen wird. Wenn Sie ihm aber beibringen, dass neue Erfahrungen angenehm sind, wird er als neugieriger Entdecker und nicht in ständigem Misstrauen aufwachsen. Er-obern Sie zusammen mit Ihrem Hundekind die grosse weite Hundewelt. Was der Welpe während dieser kurzen Zeit lernt, wird ihn sein ganzes weiteres Leben lang begleiten.

Packen Sie Ihren Zwerg nicht in Watte!

Während man den Welpen mit seiner neuen Umwelt vertraut macht, hat man gleichzeitig die schwierige Aufgabe, ihm dabei ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln. Sie sollten auf Ihr Airedalekind wie der Fels in der Brandung wirken, dabei aber auch Verwöhnung und Überbehütung vermeiden, die ein Entwickeln ausreichender Selbstsicherheit verhindern und zur erlernten Hilflosigkeit führen. Vermitteln Sie Ihrem jungen Rohdiamanten sehr viele spielerische Erfahrungen und positive Umwelteindrücke. Und bieten Sie ihm auch später vielfältige Betätigungsmöglichkeiten, damit er lernen und sich entwickeln kann. Gerade ein junger Hund braucht unbedingt selbst verschaffte Erfolgser-lebnisse beim Bewältigen von Problemen. Hat er sein Problem selbst erfolgreich gelöst, wird ihm das Selbstvertrauen geben. Die beste Zeit, den Welpen an möglichst viele verschiedene Situationen heranzuführen liegt zwischen der 12. und 18. Woche. Während dieser Zeit sind die Hundekinder noch sehr umwelt-offen, lernen fast angstfrei und sehr viel leichter als jemals später. Schliesslich wollen sie doch die Welt erobern.

Durch die starke Ortsbindung des Welpen sind lange Wege aber ein Problem und überfordern den Welpen, da ihm auch noch die Bindung zu seinem Menschen fehlt. Fahren Sie deshalb möglichst nah mit dem Auto an ihr Ziel. Denken Sie auch daran, dass so ein Zwerg noch nicht weit laufen kann. Im Alter von 3-4 Monaten sind 15-20 Min. laufen absolut genug. Mehrmalige kurze Spaziergänge sind besser als wenige lange. Achten Sie auf Müdigkeitserscheinungen wie Absitzen oder Hinterhertrotten und wählen Sie Spazierrouten, die abgebrochen werden können. Auch das Spiel mit anderen Hunden (möglichst gleiche Größe und gleiches Alter) sollte auf ca. 15 Minuten begrenzt werden. Achten Sie auf griffige Bodenbeläge; Springen und Spielen auf rutschigem Untergrund ist gefährlich.

Es gibt für einen Welpen soooo viel zu entdecken: Blümchen, Mäuse, ein Käfer, Wasser in einem Bach, ein Karussell auf einem Kinderspielplatz, eine Mülltonne, die gestern noch nicht da stand... Schleichen Sie wirklich mit ihrem Welpen durch die Gegend, nehmen Sie sich Zeit für alles und jedes, was für ihn so besonders und für Sie so alltäglich ist. Freuen Sie sich einfach mit ihm darüber. Wenn Sie viele Pausen machen, sich länger mit ihm an einem Ort aufhalten, dann kann so ein Ausflug auch ruhig etwas länger dauern.

In der Sozialisationsphase "eicht" der Hund ein Referenzsystem für sein ganzes späteres Leben. Es gibt keinen Ersatz für diese frühen Erfahrungen. Autofahren, Bus, U-Bahn, Straßenverkehr, Unterführungen, Brücken, Einkaufspassagen, Hallen, Lift, Kaufhaus/Baumarkt, Geruchseindrücke, Staubsauger, Lärm jeder Art, Gewitter, Sirenengeheul, Radiogeräusche in verschiedenen Lautstärken, dichte Menschenmengen, schreiende und rennende Kinder aller Altersstufen, Babys, Krabbelkinder, Skateboards, verschiedener Boden (auch Folien, Kieselsteine, Holzbretter, Gitterroste, Wasser usw.), andere Hunde verschiedener Rassen, andere Tiere, Reiter und viele fremde Menschen (mit Hut, Sonnenbrille oder flatterndem Mantel, Briefträger, andere Hautfarbe, humpelnd, mit Krücken, im Rollstuhl, Kinderwagen usw.) kann man dem Welpen zeigen, damit er das alles als normal kennenlernt. Zwingen Sie ihn aber zu nichts. Wenn er selbst die Kontrolle über eine Entdeckung hat, kann man ihn nicht überfordern.

Und machen Sie auch mal einen "grundlosen" Besuch beim Tierarzt, damit der Welpe die Praxis stressfrei kennenlernen kann. Gehen Sie ins Wartezimmer, sitzen auf einen Stuhl und gehen wieder, wenn sich Ihr Welpe entspannt hinlegt. Auch mit typisch menschlichen Annäherungsversuchen muss der Hund vertraut gemacht werden: direkt in die Augen schauen, frontale Annäherung und von oben auf den Kopf fassen. Aber übertreiben Sie auch nicht: schützen Sie Ihren Schnüggel vor den Schmuseattacken allzu aufdringlicher Menschen und vermeiden Sie Überforderung. Zeigen Sie Ihrem Welpen jeden Tag ein kleines Stück von der großen weiten Welt, statt immer nur am Wochenende ein Riesen-programm durchzuführen. Der kleine Airedale muss auch Zeit haben, die Er-lebnisse einzuordnen und seine Batterien wieder aufzuladen. Weniger ist manchmal mehr.

Bauen Sie in Ihre Spaziergänge auch Verführungen ein. Ein Ballfanatiker muss z.B. lernen, dass der Ball spielender Kinder für ihn tabu ist. Nehmen Sie ihn dazu einfach an die Leine und lassen Sie ihn zuschauen. Rennende Kinder gehen ihn nichts an. Bei einem niedlichen Welpen mag es noch lustig sein, wenn er mit den Kindern mitläuft. Aber jeder Welpe wird einmal größer ...

Bevor Sie sich nun mit Ihrem Hundekind zu einem neuen Abenteuer aufmachen, statten Sie sich mit Leckerchen aus. Und dann lassen Sie Ihrem Welpen so viel Zeit wie er braucht, um die neue Situation als ungefährlich und uninteressant einzustufen. Alles völlig normal. Bedenken Sie, dass viele Dinge, die für uns völlig selbstverständlich sind, für den Welpen ein großes Abenteuer bedeuten. Dabei müssen Sie dafür sorgen, dass der Junghund die Problemlösungen in eigener Geschwindigkeit erarbeiten kann. Zwingen Sie den Hund nicht, drängen Sie ihn nicht. Lassen Sie den Kontakt zu, wenn er ihn sucht. Beobachten Sie ihn dabei genau. Zeigt der Welpe auch nur die geringste Unsicherheit (seine Rute wird Zentimeter um Zentimeter abgesenkt), müssen Sie den Sicherheitsabstand zu dem "Monster" vergrössern. Seien Sie das nächste Mal vorsichtiger. Hat Ihr tapferer Welpe dann den inneren Schweinehund überwunden, all seinen Mut zusammengenommen und sich näher herangewagt, loben Sie ihn ausgiebig und geben Sie ihm evtl. ein Leckerchen. Reicht der Mut des Welpen nicht aus, gehen Sie mit gutem Beispiel voran und nähern Sie sich dem "Ungeheuer" - natürlich ohne Hund. Zeigen Sie so, dass es ungefährlich ist. Evtl. können auch einige Spezial-Leckerchen auf dem Ungeheuer helfen, das Schreckgespenst als unge-fährlich zu entlarven. Lassen Sie Ihren Welpen die Welt möglichst selbst ent-decken, ohne ihm ständig oder zu früh Hilfestellung zu geben und seine "Prob-leme" lösen. Der Welpe muss lernen, dass die Welt nicht gleich untergeht, nur weil etwas nicht auf Anhieb klappt. Er muss lernen, durch eigene Aktivität Schwierigkeiten zu meistern und intelligent auf Herausforderungen zu reagieren. Belastungen verlieren dadurch auch in Zukunft ihren Schrecken. Nur wenn der Hund das Problem wirklich nicht allein in der von uns gewünschten Richtung lösen kann, sollten Sie ihm die notwendigen Hilfestellungen geben. Und beenden Sie die Übungen unbedingt, bevor der Welpe "die Schnauze voll" hat. Er muss die Situation als Erfolgserlebnis in Erinnerung behalten, damit er auch innerlich "wachsen" kann und Vertrauen entwickelt.

Im Alter von 14-16 Wochen machen viele Welpen eine erste Angstphase durch, in der sie fremdeln und etwas unsicher wirken. Bei der Erkundung der Welt ist die Fähigkeit Angst zu empfinden außerordentlich wichtig. Das Vermögen Angst zu empfinden lässt den Hund an Unbekanntes mit der nötigen Vorsicht herangehen. Fehlendes Angstvermögen macht tollkühn und Helden sterben früh. Keine Angst empfinden zu können, ist tödlich. Angst ist der Gegenspieler einer ungehemmten Neugier.

Ängstlich veranlagte Welpen reagieren vielleicht verstört, wenn sie mit einem unbekannten Reiz konfrontiert werden. Diese Verhaltensweise kann sich zu einem Problem entwickeln, wenn man ihr nicht rechtzeitig entgegenwirkt. Gerade weniger selbstbewusste Hunde müssen lernen, in jeder Situation die Nerven zu bewahren, da ansonsten die Gefahr besteht, dass sie sich später zu Angstbeissern entwickeln. Man sollte versuchen, dem kleinen Angsthasen Ver-trauen zu vermitteln. Leben Sie ihm entspannte Gelassenheit vor. Alles kein Grund zur Aufregung. Es ist sinnvoll, ihn schrittweise mit angsteinflössenden Dingen zu konfrontieren. Mit Geduld und Einfühlungsvermögen gelingt es sicherlich, die Reizschwelle des Hundes nach und nach zu erhöhen. Er wächst an seinem Erfolg. Und denken Sie dabei auch an die Stimmungsübertragung. Die Prägung geht so weit, dass in den ersten Tagen Ängste oder Souveränität vom Menschen kopiert werden. Sind Sie selbst unsicher, wird auch Ihr Welpe ein unsicherer Hund werden. Selbstbewusstsein muss zuerst vom prägenden Halter ausgehen, der diese Souveränität dann an den Hund weitergibt. Für den Hund ist der Mensch das Maß aller Dinge!

In diesen ersten Lebenswochen saugt das Hundekind alle neuen Eindrücke auf wie ein Schwamm das Wasser. Sie sind das Fundament für das ganze Hunde-leben, auf das alles Weitere aufgebaut wird. Die Tendenz des Hundes, auf spätere Ereignisse in seinem Leben eher aggressiv oder ängstlich, aktiv oder passiv zu reagieren, wird in dieser Zeit festgelegt. Die Versäumnisse sind nicht wieder gutzumachen.

Hunde haben keine Hände. Sie erledigen sehr viel mit ihren Zähnen, was wir mit den Händen tun. Sie helfen sich, indem sie ihr Maul äußerst vielseitig benutzen. Dieses zahnbestückte Schnäuzchen kann ganz zart greifen und vorsichtig fest-halten ohne zu verletzen.

Erziehungstipp "Beißhemmung": Welpen beißen in aller Unschuld und bohren Ihre nadelspitzen Zähnchen dabei mit Vorliebe in die Hände und Arme ihrer geliebten Zweibeiner. Und jeder, der schon einmal mit so einem kleinen Beiss-dale gespielt hat, weiss, wie einseitig das Vergnügen mitunter sein kann. Kom-mentare wie "Hör mal, das fand Frauchen aber gar nicht gut!" nützen überhaupt nichts, wenn der Tolpatsch im Überschwang in Ihre Kleidung oder Arme beißt. Zwicken ist nicht erlaubt. Punkt. Auch nicht ein bisschen. Reagieren Sie sofort, zeigen Sie ihm, dass Sie sauer sind. Der Hund braucht klare Regeln - von Anfang an. Dieses ungebührliche Verhalten kann zu einer echten Gefahr werden, vor allem, wenn Kleinkinder zur Familie gehören. Bringen Sie Ihrem vierbeinigen Liebling unbedingt gute Manieren bei, denn mit dem Hund werden auch die Zähne größer! Wenn der kleine Wicht im Spiel zu grob wird und zu fest zupackt, rufen Sie laut und scharf "Aua", brechen das grobe Spiel abrupt ab und entfernen sich. Schluss mit lustig. In menschliche Körperteile beissen ist nicht in Ordnung. Greifen Sie notfalls durch: klar, kurz, deutlich! Nur so lernt der Rüpel, dass unsere Haut empfindlicher ist, als das Fell seiner Geschwister und setzt seine Beisser-chen beim Menschen vorsichtiger ein. Spielen Sie nicht den Indianer, der keinen Schmerz zeigt, denn sonst lernt Ihr Hund genau das Falsche. Je unbefangener Sie Ihre Hand z.B. in der Schnauze des Welpen lassen und je ehrlicher Sie ihm gegen-über sind, umso vorsichtiger wird der Welpe mit Ihnen umgehen. Es darf keines-falls so weit kommen, dass Sie oder Ihre Kinder Respekt/Angst vor dem Zwerg bekommen. Denn auch das merkt er schnell und wird es ausnützen. Die Beiss-hemmung sollte bis zur 18. Woche antrainiert sein.

Wenn Ihr Welpe vor lauter Aufregung beginnt, an Ihnen hochzuspringen oder nach Ihrer Kleidung zu schnappen, schubsen Sie ihn weg, wenden Sie sich sofort von ihm ab und ignorieren ihn. Gespielt wird nur, wenn er sich anständig be-nimmt.  Mit der Zeit lernt ihr Piranha: (Hosen-)Beine "nein", Lappen oder anderes Spielzeug "ja". Zeigen Sie ihm, wie man's richtig macht und freuen Sie sich mit ihm, wenn er seine spitzen Zähnchen in einem Kauspielzeug versenkt. Wenn Ihr Piranha es gar zu arg treibt, können Sie ihm auch eine kurze Auszeit verordnen. Machen Sie mit ihm die Bleib 3-Übung auf einer Decke oder in seinem Kennel,  30 Sekunden sind absolut ausreichend. Bevorzugt er es trotzdem, wieder seinen Menschen zu beissen, wiederholen Sie die kurze Auszeit. Immer wieder. So lange, bis Ihre Beissmaschine das Spielzeug annimmt.

Sinnvoll kann auch eine Futterübung sein. Dazu schneiden Sie Käse in gut ab-beissbare längere Streifen. Den nehmen Sie dann in die Hand, indem sie den Käse nur ein bisschen herausschauen lassen. Der Welpe muss lernen, vorsichtig daran zu knabbern, ohne in die Finger zu beissen. 

Zum Problem kann das spielerische Schnappen des Welpen werden, wenn kleine Kinder im Haushalt leben. Kinder können dem Hund nichts entgegensetzen und entwickeln schnell eine Riesenangst vor dem bisschen Hund. Wenn die Eltern dann nicht sofort regulierend eingreifen, haben sie bald ein richtiges Problem. Versuchen Sie, ein unkontrolliertes und unbeobachtetes Zusammentreffen von Hund und Kind auf jeden Fall zu vermeiden, so dass Sie sofort mit "nein" ein-greifen können, wenn das wildgewordene Hundekind Aktionen wie Anspringen oder Schnappen startet. Machen Sie dem neuen beissenden Familienmitglied klar, dass Sie als Chef der Familie solche Aktionen nicht dulden. Lassen Sie den Kontakt zwischen Hund und Kind nur unter Aufsicht zu, denn Kinder reagieren in vielen Situationen leider völlig falsch und verstärken das Verhalten evtl. noch. Lassen Sie kleine Kinder keine Zerrspiele mit dem Hund machen.

Ein weiteres Problem kann entstehen, wenn die Kinder vor dem Hund weglaufen. Für den Hund ist das eine Aufforderung zum Jagdspiel, die er gerne annimmt und wenn er die Kinder dann vor Übermut anspringt und vielleicht umwirft, ist das Geschrei gross. Führen Sie den Kindern selbst einmal vor, wie der Junghund auf ihr Wegrennen, Schreien und Springen reagiert und wie es ist, wenn Sie ruhig stehen bleiben und den Hund nicht anschauen. Denn dann wird der Hund wieder ganz ruhig. Wenn Gastkinder bei Ihnen sind, können Sie vielleicht sogar ein kleines Spiel daraus machen, indem die Gastkinder das selbst versuchen. Bald werden sich die Kinder sicherer fühlen, weil sie merken, dass sie mit ihrem Ver-halten selbst Einfluss auf den Hund haben.